Susanne Gerdts

Alt Cüstrinchen

  • 16. Dezember 2016 1:03 am

1299 als „Custrineken“ erwähnt, welches die Grenze des Zehdener Besitzes Jagows bildet. Dort lag wahrscheinlich ein slawisches Dorf, das für 1345 bezeugt ist. Es geht an das Kloster Zehden über, deutsche Bauern werden angesetzt. Das Kloster Zehden und später das „Königliche Amt Zehden“ üben für Jahrhunderte die Grundherrschaft über die untertänigen Fischer und Bauern aus.

1498 ist ein Richter Hans Bornstede bezeugt, dessen Familie bis 1774 im Besitz des adligen Freischulzengut mit 10 Hufen Land bleibt. 1622 ist ein Fischmarkt bezeugt.

Bei der Hufenklassifikation 1718 werden 1 Lehnschulze, 3 Bauern, 36 Fischer, 6 Büdner oder Freihäusler und 3 Tagelöhner gezählt. Um 1804 sind es 1 Freischulze, 2 Bauern, 30 Freihöfe, 39 Kossäten / Fischer und 30 Einlieger (= Untermieter).

Die Trockenlegung des Oderbruchs, die Friedrich der Große zwischen 1747-1753 durchführen ließ und die Ansiedlung neuer Kolonistendörfer ging auf Kosten der Fischer auf der anderen Seite der Oder (heute Polen). Ihre vorher reichen Fanggründe gingen verloren und damit ihre Lebensgrundlage. Dass dies nicht ohne Protest von seiten der Fischer blieb, lässt sich denken. Infolge des Verlusts des Oderbruchs als Fanggebiet und der Begradigung des Flusslaufes mussten sich die Fischer wohl oder übel der Landwirtschaft zuwenden und auf Büdner/Freihäusler umsatteln.

Aus „Custrinchen“ wurde „Alt Cüstrinchen“. Die neue Kolonie im auf der anderen Seite der Oder – im Oderbruch – wird „Neu Küstrinchen“ genannt.

Aus Alt Cüstrinchen kommt ein Großteil unserer neumärkischen Vorfahren. Der Umzug nach Alt Rüdnitz oder andere größere Orte, der im 18. Jahrhundert vielfach statt fand, ist wohl einerseits durch die geänderten Lebensbedingungen durch das trocken gelegte Oderbruch und andererseits durch die endgültige offizielle Abschaffung der Leibeigenschaft ausgelöst worden. Nun war es nämlich möglich, in kleinem Rahmen (Büdner) eigenes Land zu bewirtschaften.

AR = Ahnenreihe

Ahnenfamilien aus Küstrinchen:

Name Hufenklassifikation 1718 9. AR, 1720-1800 8. AR, 1755-1860 7. AR 6. AR 5. AR 4. AR 3. AR
Harse Kossät ?? Tochter
Herse Fischer Tochter ?? Hausmann, Besitzer Tochter
Ihnow Fischer Tochter
Klemer Freimann, Gerichtsm. Büdner, Eigentümer Tochter
Knüppel ?? Tochter
Krause ?? Tochter
Matthes Fischer Fischer Neubüdner Büdner Tochter
Melcher Fischer 2 x Tochter
Moritz ?? Dienst-knecht Büdner Weber-meister Brennerei-verwalter st. gepr. Landwirt Tochter
Schultz Kolonist Tochter
Schnabel Fischer, Kossät Tochter
Siecke Fischer Neubüdner Garnweber-meister Tochter
Wurl Fischer Tochter

Literatur:

Hufenklassifikation der Neumark 1718:

Heimatkreis Königsberg/Neumark e.V. (Hrsg): Kreis Königsberg/Neumark. Erinnerungen an einen ostbrandenburgischen Landkreis. 400 Seiten. WestkreuzVerlag GmbH Berlin/Bonn. 3. Auflage 1997

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